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Oberer Stadtplatz 32, 3340 Waidhofen an der Ybbs

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Eine Ausstellung mit Simon Goritschnig und Hannah Stippl

Bedeutungen: [1] Geographie: (bezogen auf Flüsse, Bäche) einen gewundenen Verlauf wie der Mäander aufweisen, sich in Mäanderform bewegen. [2] allgemein: ein kurvenreiches, verschlungenes Muster aufweisen.
Wer mäandert, nimmt Thema und Weg ernst und gibt sich selbst dazu – als Gast und Gastgeber, passiv und aktiv zugleich. Wer mäandert, folgt nicht immer dem Weg des geringsten Widerstands, sondern sammelt Energie, wo es möglich ist, um Durchbrüche ins Unmögliche zu schaffen. Mäandernd lässt sich denken, erzählen, zeichnen und malen. Das Denken mit Systemen, die sich permanent verändern und dennoch miteinander verbunden bleiben, verlangt das Loslassen linearer Logik zugunsten verschlungener Muster. Mäanderndes Denken öffnet Räume für Fragen, Hypothesen und Gedankenexperimente.

Im Zentrum der Arbeiten von Simon Goritschnig stehen Biologie, Archäologie und Science-Fiction. Ausgehend von der Isomorphie – dem Prinzip struktureller Gleichartigkeit – erkundet er die Möglichkeiten fremder Welten und verbindet Evolutionstheorie mit Spekulationen über unbekannte Lebensformen. Eigenwillige Gebilde durchziehen den Raum, ihr Ursprung bleibt zwischen organisch und anorganisch unbestimmt. Die im Filamentdruck entstandenen Objekte erinnern an Fossilien, in denen technische Materialität auf organische Formen trifft. Zeichnung versteht Goritschnig dabei als wandelbares Medium innerhalb technologischer Entwicklungen. Seine Graphitfrottagen und Tuschezeichnungen verbinden zoologische und botanische Fragmente mit fantastischen Strukturen und erzeugen eine Atmosphäre zwischen Vertrautem und Unbegrenztheit.

Hannah Stippl folgt in ihrer Arbeit den Mustern des Lebendigen – in Landschaften, Mythen, Ornamenten und philosophischen Konzepten. Die Abwesenheit eindeutiger Klarheit ist dabei zentral. Ihre Arbeiten verweigern das unmittelbar erfassbare Bild und erzeugen stattdessen einen labyrinthischen, mäandernden Blick. Schichten überlagern sich, das Übermalte und Unsichtbare bleiben dabei stets Teil des Bildes. Ihre Arbeiten entstehen in zeitlichen Prozessen des Überarbeitens, Verschwindens und Wiederauftauchens. Spuren bleiben erhalten und widersetzen sich einer vorschnellen, oberflächlichen Klarheit.

Simon Goritschnig und Hannah Stippl diskutieren in ihren oft raumgreifenden Arbeiten die Auswirkungen menschlichen Handelns und Erzählens auf biologische und mythologische Systeme. Sie laden Betrachter*innen dazu ein, sich in die Rolle Forschender zu versetzen und – selbst mäandernd – neue Zusammenhänge zu entdecken.
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Simon Goritschnig wurde 1988 in Klagenfurt geboren und lebt seit 2008 in Wien. Er studierte Grafik und Druckgrafik an der Universität für angewandte Kunst Wien und schloss sein Studium 2015 ab. Für sein Diplom erhielt er das Ernst-Beranek-Stipendium, 2018 folgte ein Aufenthaltsstipendium in Paris. 2024 wurde ihm das Jahresstipendium für Bildende Kunst des Landes Kärnten zugesprochen, 2026 das österreichische Staatsstipendium für Medienkunst. Seit 2023 unterrichtet er Zeichnung und digitale Medien an der Universität für angewandte Kunst Wien. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt.

Hannah Stippl wurde 1968 in Wien geboren. Sie studierte Philosophie und Malerei an der Universität für angewandte Kunst Wien, wo sie von 2005 bis 2017 an der Abteilung für Landschaftsdesign/-kunst unterrichtete. Ihre künstlerische Arbeit verbindet Malerei, hortikulturelle Installation und künstlerische Forschung. Im Zentrum stehen Naturbegriffe, antike Mythen und die Kritik patriarchal-dualistischer Weltbilder. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, zuletzt bei der Biennale Internationale Donna in Triest. Darüber hinaus kuratiert sie Ausstellungen und leitet den Ausstellungsraum puuul in Wien.

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