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Wer wissen will, wie eine Dorfkapelle nach fünfzig Jahren klingt, ist herzlich eingeladen, selbst vorbeizuschauen. Eintritt frei!
Eine Idee beim Frühschoppen wurde zur Kapelle „Holzlandler Blasmusik“, die den Namen Bad Griesbachs bis nach Berlin trug.
Es ist Allerheiligen 1976. Auf den Notenständern in St. Salvator liegen die ersten Takte von „Näher mein Gott zu Dir“, und fünf Musikern zittern die Finger – das Lampenfieber sitzt tief, denn das ganze Dorf hört zu. Es läuft gut. Und damit beginnt eine Geschichte, die inzwischen ein halbes Jahrhundert reicht.
Begonnen hatte sie ein paar Monate zuvor, ganz ohne großen Plan, nach einem Sonntagsgottesdienst im August 1976. Im Gasthaus Brunnhuber kam Pfarrer Ebertseder ins Reden und fand, Salvator könnte doch eine eigene Blaskapelle vertragen. Was er sich vornahm, das tat er auch: Er klapperte die alten Bläser im Ort ab, „egal welchen Alters“, und hatte nach gut zwei Monaten fünf Mann beisammen. Geprobt wurde im Clubraum von Rudolf Weinberger, und schon diese erste Runde war ein kleines Abbild des Dorfes – der Rentner Eichelseder, Jahrgang 1906, saß neben jungen Landwirten am selben Notenständer. Wo sonst kommen Generationen so selbstverständlich zusammen?
Nach dem geglückten Gräbergang ging es Schlag auf Schlag. Bald stieß Barbara Bischl dazu, die erste Frau in der Kapelle, die ihres Instruments wegen rasch „der Posaunenengel“ genannt wurde. Der Freitag wurde zum Probentag erklärt und ist es bis heute geblieben.
Von da an war die Kapelle der Klang, an dem man das Jahr ablesen konnte. Sie marschierte den Prozessionen voraus, spielte zum Frühschoppen auf, stand bei Hochzeiten vor der Kirche und brachte alten Leuten ihr Geburtstagsständchen bis in den letzten Weiler. Mal war es eine Taufe, mal ein Abschied – wo im Ort etwas zu feiern oder zu betrauern war, waren die Holzlandler dabei. So spielt man sich über die Jahre unverzichtbar.
Lange blieb es nicht beim Dorf. Als musikalische Botschafter warben die Salvatorianer für Bad Griesbach und sein Thermalbad bis hinauf in die Münchner Fußgängerzone, nach Limburg und sogar nach Berlin – fünf Mann samt Instrumenten, Prospekten und einem Stand im Gepäck. Mit solchen Auftritten trugen die Holzlandler den Namen Bad Griesbachs weit über die Heimat hinaus. Daheim pflegte man derweil handfeste Freundschaften: mit Sängern aus dem Westerwald, sowie mit Gästen aus Kärnten, die beim Heimatabend bis weit in die Nacht im Festzelt saßen.
Dass dabei auch der Schalk nie zu kurz kam, beweist eine Geschichte von 1981: Da ließen die Musiker am Volkstrauertag kurzerhand die Fahne des Männerchors mitgehen – ein Streich an den eigenen Ex-Schlagzeuger, der nun beim Chor die Fahne trug. Ausgelöst wurde sie schließlich gegen ein Spanferkel, und zur Rückgabe spielten ausgerechnet die „Entführer“ selbst auf. Versöhnt war man am Ende sowieso.
Fünf Mann in einem Clubraum, ein halbes Jahrhundert später eine feste Größe im Festkalender rund um Bad Griesbach: Geändert haben sich nur die Gesichter. Geblieben ist: echte Blasmusik, handgemacht, bodenständig und mit einem ordentlichen Schuss Gaudi.
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